Mindestpreis Statt Strafzölle
- Hussein Khanafer
- 15. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Warum die EU E-Autos aus China zunächst mit Strafzöllen belegte – und warum sie jetzt umdenkt
Günstige E-Autos aus China – ein Risiko für Europas Autoindustrie
In den letzten Jahren haben chinesische Hersteller wie BYD, Geely und andere ihre Elektroautos zunehmend auf den europäischen Markt gebracht. Diese Modelle zeichnen sich vor allem durch sehr niedrige Preise und starke Ausstattung aus – dank einer Kombination aus hohen staatlichen Förderungen in China, großer Produktionskapazitäten und Preisdruck im heimischen Markt.
Für europäische Autohersteller bedeutete dies zweierlei Probleme:
Die günstigeren chinesischen E-Autos konnten bei Preisbewussten Kunden punkten und Marktanteile gewinnen – auch auf Kosten traditioneller europäischer Marken.
Die EU sah darin eine Wettbewerbsverzerrung, weil chinesische Firmen durch staatliche Subventionen Vorteile hätten, die den fairen Wettbewerb verzerren könnten.
In der Folge führte die EU im Oktober 2024 Straf- bzw. Ausgleichszölle ein, die zusätzliche Abgaben von bis zu rund 35 % über dem regulären Einfuhrzoll betrafen. Ziel war es, das Preisdumping abzufangen und die europäische Autoindustrie zu schützen.

Strafzölle: Schutzmaßnahme oder politisch brisant?
Die Strafzölle sollten zwei Dinge erreichen:
Faireren Wettbewerb herstellen – indem subventionierte Dumpingpreise ausgeglichen werden. Eine Flut billiger E-Autos aus China verhindern, die europäische Hersteller unter Druck setzt.
Allerdings gab es dabei auch Kritik und Widersprüche:
Einige EU-Länder (z. B. Deutschland) waren skeptisch, weil sie selbst stark auf den Export in den chinesischen Markt angewiesen sind.
Die chinesischen Hersteller haben trotz Zöllen ihre Exporte nach Europa weiter gesteigert, da der Preisunterschied zu europäischen Modellen oft noch groß genug war.

Kooperierende
Der Hersteller hat vollständig oder weitgehend mit der EU-Kommission zusammengearbeitet
Er hat Daten geliefert, Fragebögen beantwortet und Einblick in Subventionen gegeben
Die EU konnte individuelle, niedrigere Zollsätze festlegen, weil sie genauer wusste, wie stark die Subventionierung wirklich ist.
Beispiele:
BYD → ca. 17,4 %
Geely → ca. 20 %
Nicht-kooperierende
Der Hersteller hat keine oder nur unzureichende Informationen geliefert
Teilweise wurden Anfragen ignoriert oder nur unvollständig beantwortet
Die EU wendet die sogenannte „Worst-Case-Methode“ an.
Die EU geht vom höchstmöglichen Subventionsvorteil aus
Es wird ein sehr hoher Strafzoll festgelegt
Beispiel:
SAIC (u. a. MG) → ca. 38,1 %
Alle weiteren nicht-kooperierenden Hersteller → ebenfalls ca. 38 %

Warum am Ende immer der Verbraucher zahlt
Offiziell argumentiert die EU, dass die Ausgleichszölle und späteren Mindestpreise keine pauschale Bestrafung Chinas seien. Stattdessen betont sie zwei Kernpunkte:
„Wir bestrafen nicht China pauschal.“
„Wir reagieren auf fehlende Transparenz und unfairen Wettbewerb.“
Politisch klingt das nach einer nüchternen, regelbasierten Handelspolitik. Doch aus Sicht vieler Kritiker – und vor allem aus Sicht der Verbraucher – erzählt diese Argumentation nur die halbe Wahrheit.
Schutz der Industrie – auf Kosten der EU-Bürger
In der Praxis führen Strafzölle und Mindestpreise dazu, dass preiswerte Elektroautos künstlich verteuert werden. Nicht, weil sie technisch schlechter sind, sondern weil sie zu günstig für den europäischen Markt sind.
Nicht China zahlt diese Zölle – sondern die europäischen Käufer
Zölle werden in den Fahrzeugpreis eingerechnet
Mindestpreise verhindern echten Preiswettbewerb
Günstige Alternativen verschwinden oder werden teurer
Für Verbraucher bedeutet das
höhere Anschaffungskosten
weniger Auswahl im unteren und mittleren Preissegment
Gerade Menschen mit kleinerem oder mittlerem Einkommen trifft diese Politik besonders hart – ausgerechnet jene Gruppen, die politisch eigentlich zur E-Mobilität bewegt werden sollen um CO² zu reduzieren.

"Rettungspacket / Rettungsschirm" – ein bekanntes Muster
Kritiker sehen in der aktuellen EU-Politik ein bekanntes Muster
2008 – Finanzkrise Banken hatten durch riskante Geschäfte massive Verluste verursacht. Als das System zu kippen drohte, wurden sie mit Milliarden an Steuergeldern gerettet.
Heute – Autoindustrie Europäische Hersteller haben
den Wandel zur Elektromobilität lange verschlafen
auf Verbrenner gesetzt, während China konsequent in E-Mobilität investierte
nun Schwierigkeiten, preiswerte E-Autos anzubieten
Statt diese Versäumnisse vollständig vom Markt regeln zu lassen, greift der Staat erneut ein
durch Handelsbarrieren
durch Subventionen
durch indirekte Preissteuerung
Das Risiko wird sozialisiert – die Kosten trägt der Bürger.
Quellen
Deutschlandfunk – EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautoshttps://www.deutschlandfunk.de/china-elektroautos-eu-markt-zoll-100.html
Handelsblatt – Mindestpreise statt Zölle: So will die EU billige E-Autos aus China ausbremsenhttps://www.handelsblatt.com/politik/international/mindestpreis-statt-zoelle-so-will-die-eu-billige-e-autos-aus-china-ausbremsen/100190656.html
Auto Motor und Sport – Mindestpreise statt Strafzölle: EU-Strategie bei China-E-Autoshttps://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/mindestpreise-statt-strafzoelle-so-steuert-die-eu-jetzt-e-auto-importe-aus-china/
China Economic Review – EU offers conditions to remove China EV tariffshttps://chinaeconomicreview.com/eu-offers-conditions-to-remove-china-ev-tariffs/
EU-Kommission – Anti-Subventionsuntersuchung zu Elektrofahrzeugen aus Chinahttps://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_23_4752






