Kaum eingeführt – schon missbraucht
- Hussein Khanafer
- 29. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Kriminelle nutzen die Lücken des V16-Warnleuchten-Systems aus
Es ist nicht einmal ein Monat vergangen, seit wir erstmals über die kaum eingeführte V16-Warnleuchte und deren sicherheitsrelevante Bedeutung berichtet haben – und schon zeigt sich der missbrauch dieser Technik, wie schnell kriminelle Strukturen technische Neuerungen für ihre Zwecke umfunktionieren. Kaum ist ein System im Alltag angekommen, haben Betrüger die Schwachstellen erkannt und nutzen sie gezielt aus.

V16-Warnleuchte für mehr Sicherheit
Die V16-Warnleuchte wurde in Spanien als Ersatz für das klassische Warndreieck eingeführt. Sie wird bei einer Panne oder einem Unfall auf dem Fahrzeugdach platziert, blinkt weithin sichtbar und sendet gleichzeitig den exakten Standort des Fahrzeugs an die zentrale Verkehrsleitstelle.Das Ziel: Mehr Sicherheit, weniger gefährliche Fußwege auf Autobahnen und eine schnellere Erkennung von Gefahrenstellen. Die Schwachstelle: Standortdaten in Echtzeit
Genau hier liegt das Problem. Mit der Aktivierung der V16-Warnleuchte werden Standortdaten übermittelt, die nicht ausschließlich Behörden oder offiziellen Pannendiensten vorbehalten sind. In der Praxis sind diese Informationen über Karten, Schnittstellen oder indirekte Zugänge abrufbar. Sobald ein Fahrzeug seine Warnleuchte aktiviert, können Betrüger in Echtzeit sehen, wo sich dieses Fahrzeug befindet – inklusive genauer GPS-Koordinaten und oftmals sogar der Dauer der Panne.

Die Masche
Abschlepp-Piraten orten über die V16-Daten abgestellte Fahrzeuge und fahren dorthin – häufig schneller als der offizielle Pannendienst.
Dort geben sie sich als legitime Abschlepp- oder Pannenhilfe aus.
Sie nutzen Abschleppfahrzeuge und teils professionelle Auftritte zu insznieren, um das Vertrauen der Fahrer zu gewinnen.
Anschließend wird das Auto abgeschleppt – teils gegen Vorauszahlung, teils ohne echte Leistung – und verschwindet mit dem Opferfahrzeug.
In mehreren bestätigten Fällen auf den Kanarischen Inseln und dem spanischen Festland tauchten betroffene Fahrzeuge danach nicht wieder auf oder wurden zerlegt bzw. ins Ausland verfrachtet.

Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht
Die V16-Warnleuchte ist grundsätzlich ein sinnvoller Schritt in Richtung Verkehrssicherheit. Doch die aktuelle Umsetzung zeigt deutlich: Wenn digitale Sicherheit nicht von Anfang an mitgedacht wird, entstehen neue Gefahren.
Dass kriminelle Gruppen bereits innerhalb weniger Wochen nach öffentlicher Berichterstattung reagieren und neue Maschen entwickeln, sollte als deutliches Warnsignal verstanden werden. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf – technisch, organisatorisch und rechtlich.
Quellen





